Impfen

Empfehlungen des Robert Koch Instituts


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Jugendliche von 12 - 17 Jahren


Im Rahmen der Konsultation sollte konsequent neben der dreimaligen HPV-Impfung auch die Vervollständigung des Impfschutzes gemäß des Impfkalenders der STIKO erfolgen.

Zu den Impfindikationen gehören:

nochmalige Auffrischung von
Tetanus, Diphtherie, Poliomyelitis und Pertussis;
falls nicht bereits dokumentiert: zweimalige
Masern-Mumps-Röteln-Impfung;
falls nicht bereits dokumentiert: zweimalige
Varizellen-Impfung;
Vervollständigung oder Nachholung der dreimaligen
Hepatitis-B-Impfung;
falls nicht bereits dokumentiert: einmalige
Meningokokken-C-Impfung.

Erwachsene von 18 - 59 Jahren


Grundsätzlich sollten die Standardimpfungen Tetanus, Diphtherie, Pertussis alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Nach einmaliger Hepatitis-B-Grundimmunisierung wird nicht mehr aufgefrischt. Jeder Erwachsene sollte vier Impfungen gegen Poliomyelitis (drei zur Grundimmunisierung, eine Auffrischimpfung nach zehn Jahren) erhalten haben.
Jüngere Erwachsene sollten eine einmalige Masern- Mumps-Röteln-Impfung erhalten, wenn sie noch nie oder nur einmalig gegen Masern geimpft wurden.
Frauen im gebärfähigen Alter sollten auch zwei Röteln-Impfungen erhalten haben. Ist dies nicht geschehen oder wurde der Röteln-Schutz nicht durch Antikörperbestimmung abgeklärt, sollten zur Vervollständigung zwei Röteln-Impfungen erfolgen.

Zu den Impfindikationen gehören:

alle zehn Jahre eine Tetanus-Diphtherie-Pertussis-Kombinationsimpfung;
einmalige Auffrischung von
Poliomyelitis auf insgesamt vier Impfungen;
bei jüngeren (nach 1970) geborenen Erwachsenen ggf. einmalige
MMR-Impfung;
bei gebärfähigen Frauen ggf. noch eine
zweite Röteln-Impfung;
optional:
HPV-Impfung;
optional:
Influenza-Impfung.

Frauen mit Kinderwunsch


Alle gebärfähigen Frauen sollten unabhängig vom bestehenden Kinderwunsch über eine vollständige Dokumentation ihrer Impfungen im Impfbuch verfügen. Spätestens drei Monate vor einer Schwangerschaft sollte im Rahmen einer präkonzeptionellen Beratung der Impfschutz anhand des Impfbuches überprüft werden.
Wurde zuletzt versehentlich Tetanus/Diphtherie ohne Pertussiskomponente geimpft, kann nochmals korrekt mit dem Kombinationsimpfstoff Tetanus-Diphtherie-Pertussis (ggf. auch mit Poliomyelitis-Anteil) geimpft werden, wobei ein Mindestabstand von vier Wochen eingehalten werden sollte. Einen monovalenten Pertussis-Impfstoff gibt es nicht.

Zum Schutz des Neugeborenen werden mütterliche Antikörper diaplazentar auf das Ungeborene übertragen. Dadurch ist das Neugeborene in den ersten Lebensmonaten vor einigen Infektionskrankheiten geschützt. Dieser sogenannte Nestschutz besteht aber nur, wenn die Schwangere über entsprechende Antikörper verfügt. Solch ein Nestschutz ist möglich bei Masern, Mumps, Röteln, Varizellen, Hepatitis A, Hepatitis B sowie bei Diphtherie und Tetanus nur nach Impfung. Kein Nestschutz besteht für Pertussis und Meningokokken und nur bedingt für Pneumokokken. Aus diesem Grund gilt die Empfehlung zur Impfung aller Kontaktpersonen von Neugeborenen gegen Pertussis.

Komplettierung aller fehlenden Standardimpfungen einschl. Pertussis;
Überprüfung der
Rötelnimmunität (zweimal geimpft?), sonst zweimal impfen;
Überprüfung der
Varizellenimmunität (zweimal geimpft?), sonst IgG-Kontrolle;
bei fehlender Hepatitis B-Impfung wird diese Impfung als Iindividuelle Gesundheitsleistung empfohlen;
Influenza-Impfung empfehlen.

Schwangere impfen


Auf notwendige Impfungen sollte jedoch auch in der Schwangerschaft nicht verzichtet werden, denn bei einer Schwangeren sind Herz-, Kreislauf- und Lungenfunktion besonderen Belastungen unterworfen und zur Toleranz des Ungeborenen die immunologischen Abwehrfunktionen herunter reguliert. Daher löst zum Beispiel die Influenza ungleich häufiger Komplikationen bei Schwangeren aus als außerhalb einer Gravidität.
Das veranlasste die STIKO 2010 die von der AG Impfen des Berufsverbandes der Frauenärzte seit mehr als einem Jahrzehnt propagierte Influenzaimpfung in der Schwangerschaft endlich offiziell in das aktuelle Impfprogramm zu übernehmen. Die STIKO empfiehlt allen Schwangeren ab dem 2. Trimenon die Influenza-Impfung, bei zusätzlicher chronischer Erkrankung (z.B. Herz-, Lungen-, Kreislauferkrankungen, Neurodermitis, Asthma, Diabetes mellitus, Adipositas) bereits schon im 1. Trimenon.

Allgemein kann gesagt werden, dass alle Tot- und Toxoidimpfstoffe in der Schwangerschaft unbedenklich sind. Lebendimpfstoffe sind in der Schwangerschaft dagegen verboten. Eine kurz vor Eintritt einer Schwangerschaft oder versehentlich in einer Schwangerschaft erfolgte Lebendimpfung braucht dennoch niemanden zu beunruhigen; sie hat bisher niemals eine Schädigung hervorgerufen und ist deshalb auch niemals eine Indikation für einen Abbruch der Schwangerschaft. Die Durchführung eines Schwangerschaftstestes vor Impfungen ist nicht erforderlich.

Empfehlung für Schwangere:

jede Schwangere ab dem 2. Trimenon gegen Influenza impfen, ggf. schon früher;
fehlenden
Tetanusschutz sofort auffrischen (Td-Impfstoff);
ungeschützte Schwangere nach der Geburt gegen
Pertussis impfen;
alle Kontaktpersonen des Neugeborenen gegen Pertussis impfen;
begonnene
Hepatitis B-Impfung vervollständigen;
fehlenden Hepatitis-B-Schutz durch Impfung ab 2.Trimenon empfehlen;
bei Aufenthalt im Risikogebiet gegen
FSME impfen;
falls keine Verschiebung einer Reise möglich: erforderliche Reiseimpfungen.

Spezielle Risikogruppen


Chronisch Erkrankte ( z.B. mit Herz- Kreislauf-Erkrankungen, Lungenkrankheiten, Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus, Asthma, Neurodermitis, neurologischen Erkrankungen, Multipler Sklerose oder Immundefizienz ) sollten und dürfen alle erforderlichen Impfungen erhalten.
Bei schwerer Immundeffizienz ohne erhaltene T- bzw. B-zelluläre Restfunktion sind Totimpfstoffe wirkungslos und Lebendimpfstoffe verboten.
Vor großen Operationen, vor Bestrahlung oder Chemotherapie sollten besonders Pneumokokken- und Influenza-Impfungen erfolgen und bei zu erwartenden größeren Blutverlusten auch eine Hepatitis-B-Impfung.
Patienten, denen die Milz entfernt wurde, haben keine Möglichkeit, bekapselte Bakterien abzuwehren und benötigen daher dringend Impfungen gegen Pneumokokken, Meningokokken und Hämophilus influenzae Typ B.

Empfehlung für Risikogruppen:

Besonders an Pneumokokken- und Influenza-Impfung denken.