Insulinresistenz (siehe Wikipedia)

Unter der Insulinresistenz versteht man ein vermindertes Ansprechen der Zellen des menschlichen Körpers auf das Hormon Insulin. Vor allem die Muskulatur, die Leber und das Fettgewebe reagieren weniger empfindlich gegenüber dem Hormon Insulin. Diese reduzierte Sensibilität der Körperzellen auf Insulin beeinträchtigt die Wirkung sowohl von körpereigenem als auch von gespritztem Insulin.

Definition

Den Begriff der Insulinresistenz gibt es seit den 1960er Jahren. Man war der Meinung, dass die Bauchspeicheldrüse bis zu 200 Einheiten Insulin ausschütten könne und definierte als "schwere Insulinresistenz" einen Insulinbedarf von mehr als 200 I.E. über mehrere Tage, um normale Blutzuckerwerte zu erreichen. Obwohl inzwischen klargestellt wurde, dass eine normale physiologische Insulinproduktion zwischen 20 und 40 Einheiten beträgt, wird diese alte Definition weiter als sinnvoll erachtet, um damit Patienten mit schweren, ungewöhnlichen Insulinresistenzproblemen abzugrenzen. Seit 1985 wurde der Begriff allgemeiner gefasst und bezeichnet ein vermindertes Ansprechen der Zellen des menschlichen oder tierischen Körpers auf Insulin.

Tagesverlauf

Am frühen Vormittag ist die Insulinresistenz im Tagesverlauf am höchsten, durch die nächtliche Ausschüttung von Insulinantagonisten. Oft gibt es auch am späten Nachmittag einen zweiten, weniger hohen Anstieg der Insulinresistenz.

Ursachen

Die Insulinresistenz basiert auf einer genetisch bedingten Stoffwechselstörung im Glukosehaushalt und führt zum Typ-2-Diabetes. Die genauen Mechanismen, welche zur Insulinresistenz führen, sind derzeit noch in intensiver Erforschung.

Die Insulinresistenz betrifft sowohl schlanke als auch übergewichtige Typ-2-Diabetiker. Allerdings ist Übergewicht ein wesentlicher Faktor. Die Kombination aus familiärer Disposition (sowohl für
Adipositas, für Diabetes mellitus Typ 2 wie auch für die herabgesetzte Insulinempfindlichkeit), zu reichlicher Nahrungszufuhr und zu geringer Bewegung führt zu einem Missverhältnis von Energiezufuhr und Energieverbrauch und steigert die Konzentration an freien Fettsäuren im Blut, was wiederum die Glukoseverwertung im Muskel- und Fettgewebe stört. Diese Verwertungsstörung der Glukose charakterisiert die Insulinresistenz. Als Reaktion kommt es zu einer gesteigerten Insulinausschüttung. Dieses mehr an Insulin führt zu einer Herabregulation der Insulinrezeptoren an den Zellen, die Resistenz nimmt weiter zu. Das Insulin als adipogener Faktor steigert noch das Übergewicht, der Mensch nimmt weiter an Gewicht zu - ein Teufelskreis.

Weitere Ursachen:

  • Medikamente, z.B. kann Cortison als einer der Gegenspieler des Insulins dessen Wirksamkeit abschwächen
  • Schwere Infektionskrankheiten u.a. über die Ausschüttung kontrainsulinärer Hormone
  • Stoffwechselstörungen wie die Hypertriglyceridämie
  • Krankheiten mit Überproduktion kontrainsulinärer Hormone, z.b. Akromegalie mit der vermehrten Ausschüttung von Somatotropin
  • Beim Polyzystischen Ovarsyndrom PCOS liegt eine Überproduktion kontrainsulinärer Hormone vor, es kommt zur Insulinresistenz mit nachfolgender Hyperinsulinämie, was neben anderen Hormonstörungen (siehe dort) als ein wichtiger Faktor bei der Entstehung und Aufrechterhaltung des PCOS gilt.


Mechanismen der Insulinresistenz



Die Insulinresistenz wird gesteigert durch:

  • abnorme Insulinrezeptoren (wie z.B. beim Donahue-Syndrom, ein seltenes, genetisch bedingtes Kleinwuchssyndrom mit früher Sterblichkeit)
  • Verminderung der Zahl der Rezeptoren
  • bei dauerhaft erhöhtem Insulinspiegel
  • IgG-Antikörper, die die biologische Wirksamkeit des Insulins hemmen
  • erhöhte enzymatische Insulinspaltung
  • herabgesetzte Bindung des Insulins an seine Rezeptoren


Insulinresistenz fördernde Proteine:

  • Tumornekrosefaktor alpha (TNF-alpha)
  • Plasminogen-Aktivator-Inhibitor I (PAI-1)
  • Resistin


Bestimmen der Insulinresistenz

Ein erster Hinweis auf das Vorhandensein einer Insulinresistenz kann das Körpergewicht sein. Bei allen Typ-2-Diabetikern ist eine genetisch bedingte Insulinresistenz vorhanden, kommt jedoch insbesondere bei
krankhaftem Übergewicht zum Vorschein. Man nimmt heute an, dass vor allem das Fett im Bauchbereich vermehrt Substanzen ausschüttet, die eine Insulinresistenz fördern und verstärken.

Gemessen werden kann der
Bauchumfang, der ein Maß für das gefährlichere Bauchfett ist, sowie der Body-Mass-Index (BMI), der ab Werten von 27 kg/m2 zusammen mit familiärer Prädisposition ein Hinweis auf Insulinresistenz ist.

Weiterhin kann die Höhe der
Triglyceride ein Hinweis auf eine Insulinresistenz sein (Triglyzerid-Spiegel oberhalb von 2,44 mmol/l beziehungsweise 215 mg/dl).

Adiponektin

Eines der Fettgewebshormone, das Adiponektin, wird vom Fettgewebe des insulinresistenten Menschen vermindert produziert. Bei hohen Adiponektinspiegeln ist die Insulinempfindlichkeit gut, niedrige Werte zeigen eine Insulinresistenz an.

Proinsulin

Bei der Herstellung von Insulin in der Bauchspeicheldrüse wird zunächst ein Vorläufermolekül – das sogenannte Proinsulin - synthetisiert. Dieses wird wieder aufgespalten. Dabei entsteht dann das eigentliche Hormon Insulin und ein unwirksames Abfallprodukt, das C-Peptid. Im Rahmen der Insulinresistenz wird immer mehr Insulin, also auch überproportional viel Proinsulin hergestellt. Letzteres wird nur unzureichend in Insulin aufgespalten und lässt sich als erhöhter Proinsulinspiegel im Blut nachweisen.

Weitere Resistenztests


  • Zuckerbelastungstest (oraler Glukosetoleranztest, kurz oGTT)
  • Nüchtern-Insulinspiegel: bei Diabetikern mit Insulinresistenz ist zumindest in den ersten Jahren des Typ-2-Diabetes der Insulinspiegel erhöht.
  • Bestimmung des HOMA-Index: (Homeostasis Model Assessment) = Insulin (µU/ml) x Glukose (mmol/l) / 22,5 -> Werte >2=Hinweis auf IR, >2,5=IR wahrscheinlich, >5,0= Durchschnittswert bei Typ2-Diabetikern